Aktive Double-Extortion Ransomware · Globale Opfer

AlphaLocker Ransomware – Bedrohungsprofil & Incident Response

AlphaLocker ist eine aktive Double-Extortion-Ransomware-Gruppe, die Daten vor der Verschlüsselung stiehlt und bei Nichtzahlung auf einer Tor-Leakseite veröffentlicht. Öffentliche Leaks zeigen Opfer in den USA, Europa und weiteren Regionen – mit Fokus auf Business Services, Technologie, Gesundheitswesen, Industrie und Energie.

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Wichtigste Fakten im Überblick

Gruppenname
AlphaLocker
Status
Aktive Ransomware-Gruppe
Beobachtete Opfer
≈ 30 veröffentlichte Opfer auf Leakseite
Aktivitätszeitraum
Erstes Opfer: Jan 2024
Letztes Opfer: Nov 2025
Schwerpunktbranchen
Business & Professional Services, Technologie, Gesundheitswesen, Industrie, Energie
Schwerpunktländer
USA, Großbritannien, Italien, Thailand, Brasilien u.a.
Erpressungsmodell
Datendiebstahl + Verschlüsselung (Double Extortion)
Leakseite (Tor)
mydatae2d63il5oaxxangwnid5loq2qmtsol2ozr6vtb7yfm5ypzo6id.onion

Die genannten Zahlen basieren auf öffentlich indexierten Leak-Daten und können hinter der tatsächlichen Anzahl der Opfer zurückliegen.

Bedrohungsübersicht & typische Angriffskette

Was ist AlphaLocker?

AlphaLocker ist eine moderne Double-Extortion-Ransomware-Operation: Die Angreifer verschaffen sich zunächst Zugriff auf das Netzwerk, exfiltrieren große Datenmengen und starten anschließend die Verschlüsselung. Opfer werden durch den IT-Ausfall und die Drohung öffentlich gemachter Daten auf einer Tor-basierten „mydata“-Leakseite unter Druck gesetzt.

Wen trifft es?

Leaks zeigen Organisationen vor allem aus den Bereichen Business Services, Technologie, Gesundheitswesen, Industrie und Energie, mit globaler Verteilung und einem Schwerpunkt auf den USA und Westeuropa. Betroffen sind sowohl KMU als auch größere Unternehmen.

Warum ist das relevant?

Bereits einzelne Vorfälle umfassen häufig Hunderte Gigabyte gestohlener Daten, darunter Verträge, Kundendatenbanken und Finanzunterlagen. Neben dem IT-Ausfall drohen weitreichende regulatorische, vertragliche und reputative Folgen – gerade im Kontext von DSGVO und NIS2.

Typische Angriffskette (High-Level)

  1. Initialer Zugriff: Kompromittierung öffentlich erreichbarer Dienste, VPN-Zugänge mit schwachen oder wiederverwendeten Passwörtern oder Missbrauch exponierter Remote-Management-Schnittstellen.
  2. Privilegienausweitung & Discovery: Einsatz von Credential-Dumping-Tools und Systemabfragen, um Domänenstruktur, Fileserver und Backups zu kartieren.
  3. Lateral Movement: Nutzung von RDP, SMB und Remote-Management-Tools, kombiniert mit kompromittierten Domain-Konten, um sich seitlich im Netzwerk auszubreiten.
  4. Datensammlung & Exfiltration: Zusammenziehen großer Datenmengen auf internen Systemen und anschließende Exfiltration zu Angreifer-Infrastruktur – oft lange vor der sichtbaren Verschlüsselung.
  5. Verschlüsselung & Erpressung: Koordinierte Ausrollung der Ransomware, Löschen oder Manipulieren von Schattenkopien/Backups und anschließende Veröffentlichung des Opfers auf der Leakseite, falls keine Einigung erzielt wird.

Die konkrete Tooling-Landschaft unterscheidet sich von Fall zu Fall; das oben skizzierte Muster spiegelt typische Double-Extortion-Angriffe wider, wie sie auch AlphaLocker zugeschrieben werden.

Indicators of Compromise & verdächtige Aktivitäten

Zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung liegen keine kuratierten öffentlichen IoC-Sammlungen (Hashes, Domains, YARA-Regeln) speziell für AlphaLocker vor. Verteidiger können dennoch nach charakteristischen Spuren von Datendiebstahl-und-Verschlüsselungsangriffen suchen.

Host- & Identitätssicht

  • Plötzlich auftauchende neue lokale Admin-Konten oder ungeplante Rechteerhöhungen bestehender Servicekonten.
  • Hinweise auf Credential-Dumping-Tools, LSASS-Zugriffe oder auffällige Prozess-Kommandos zur Kontenernte.
  • Massenhaftes Löschen von Schattenkopien und Backups auf Windows-Systemen und Backup-Appliances kurz vor der Verschlüsselung.
  • Sehr viele Dateien, die in kurzer Zeit umbenannt und neu geschrieben werden, gefolgt von Ransomnotes in zahlreichen Ordnern.

Netzwerk- & Datensicht

  • Ungewöhnliche ausgehende Verbindungen von Datei- oder Applikationsservern zu unbekannten Cloud-Storage- oder VPS-Anbietern – insbesondere mit hohem Volumen.
  • Auffällige SMB-Last zwischen Servern, die normalerweise wenig miteinander sprechen (Staging von Daten für Exfiltration).
  • Verbindungen zu Tor-Entry-Nodes oder anderer Anonymisierungs-Infrastruktur von Systemen, die Tor regulär nicht nutzen.
  • Plötzliche Peaks bei der Erstellung komprimierter Archive (ZIP, 7z, RAR) in Verzeichnissen mit geschäftskritischen Daten.
Wichtig: IoC-Funde sind Startpunkte für weitere Analysen. Eine „saubere“ IOC-Suche beweist nicht, dass kein Vorfall stattgefunden hat – insbesondere wenn Angreifer Zeit zum Aufräumen hatten oder maßgeschneiderte Tools verwenden. In kritischen Umgebungen sollten IoCs immer mit forensischer Detailanalyse kombiniert werden.

MITRE ATT&CK – typische Techniken in AlphaLocker-Szenarien

Die öffentliche Berichterstattung zu konkretem AlphaLocker-Tooling ist noch begrenzt. Die folgende Zuordnung zeigt häufig beobachtete Techniken in Double-Extortion-Ransomware-Fällen, die gut zu bekannten Mustern und Leaks ähnlicher Gruppen passen.

  • Initial Access: T1078 – Valid Accounts, T1133 – External Remote Services
  • Execution: T1059 – Command and Scripting Interpreter (PowerShell, cmd)
  • Persistence: T1547 – Boot or Logon Autostart Execution
  • Privilege Escalation: T1068 – Exploitation for Privilege Escalation
  • Defense Evasion: T1562 – Impair Defenses (AV/EDR-Deaktivierung, Backup-Löschung)
  • Credential Access: T1003 – OS Credential Dumping
  • Discovery: T1087 – Account Discovery, T1018 – Remote System Discovery
  • Lateral Movement: T1021 – Remote Services (RDP, SMB, Remote-Tools)
  • Collection: T1119 – Automated Collection von Dateien und Shares
  • Exfiltration: T1041 – Exfiltration über C2- oder dedizierte Exfil-Kanäle
  • Impact: T1486 – Data Encrypted for Impact, T1490 – Inhibit System Recovery

Für eine passgenaue Abbildung auf Ihre Umgebung empfehlen wir, interne Telemetrie und eigene Vorfälle gegen diese Techniken zu spiegeln, statt sich nur auf generische Matrizen zu verlassen.

Erkennung & Reaktion

Detection- & Hunting-Ansätze

  • Monitoring der Leakseite: Beobachtung neuer Einträge auf der AlphaLocker-Tor-Leakseite und Abgleich der genannten Unternehmen/Domains mit Ihrer eigenen Organisation und kritischen Lieferanten.
  • Verhaltensbasiertes EDR: Erkennung von Massenverschlüsselung, Löschen von Schattenkopien, auffälligem Einsatz von Bordmitteln (vssadmin, wbadmin, powershell.exe) insbesondere auf Servern.
  • Netzwerkanalytik: Hohe ausgehende Datenmengen von Datei-/Applikationsservern zu unbekannten Zielen sowie Peaks im internen SMB-Verkehr.
  • Identitätsanomalien: Erfolgreiche Logins von ungewohnten Standorten/Devices, plötzlich aktive „schlafende“ Konten oder ungewöhnliche MFA-Anfragen.

Erste Schritte in den ersten Stunden

  • Stabilisieren & eindämmen: Betroffene Systeme oder Segmente isolieren, unnötigen externen Zugang begrenzen und volatile Artefakte (Speicher, Logs) sichern.
  • Beweissicherung: Re-Installationen und „Aufräumen“ vermeiden, bis zentrale forensische Daten gesichert sind. Jede Änderung dokumentieren.
  • Business-Impact beurteilen: Kritische Systeme, Prozesse, Datenbestände und Lieferanten identifizieren, die vom Vorfall betroffen sind.
  • Rechtliche & regulatorische Sicht: Frühzeitig Rechtsabteilung und Datenschutzbeauftragte einbinden, um Meldepflichten (z. B. DSGVO, NIS2, Aufsichtsbehörden) fristgerecht zu erfüllen – typischerweise innerhalb von 72 Stunden.

Eine strukturierte Vorgehensweise in den ersten 24–72 Stunden erhöht die Chancen auf erfolgreiche Eindämmung, Wiederherstellung und die Einhaltung regulatorischer Fristen erheblich.

Wie wir Sie bei AlphaLocker-Fällen unterstützen

Als spezialisiertes DFIR-Team unterstützen wir Organisationen bei AlphaLocker- und anderen Double-Extortion-Vorfällen mit einem strukturierten Vorgehen:

  • Notfall-IR-Support: Remote- oder Vor-Ort-Triage, Scoping, Eindämmungsplanung und Beweissicherung.
  • Forensische Analyse: Rekonstruktion des Angriffspfads, Root-Cause-Analyse, zeitliche Einordnung von Benutzer- und Systemaktionen.
  • Wiederaufbau & Härtung: Unterstützung beim sicheren Neuaufbau, Validierung von Backups und Verbesserung der Sicherheitsarchitektur.
  • Reporting & Kommunikation: Berichte für Management, Aufsichtsbehörden, Versicherer und – wo erforderlich – Kunden und Partner.

Nächste Schritte bei Verdacht auf AlphaLocker

  1. Basisinformationen sammeln: Welche Systeme sind betroffen, welche Ransomnotes oder Leak-Hinweise liegen vor, seit wann bestehen die Probleme?
  2. Unser Incident-Response-Team telefonisch oder per E-Mail mit einer kurzen, nicht-sensiblen Zusammenfassung kontaktieren.
  3. Gemeinsam unmittelbare Eindämmungsschritte, Beweissicherungsmaßnahmen und einen Plan für die ersten 72 Stunden definieren.

Auf Wunsch stellen wir leichtgewichtige Skripte und Checklisten zur Verfügung, mit denen Sie selbst schnell potenzielle AlphaLocker-Spuren in Systemen und Backups prüfen können.